Donnerstag, 1. Januar 2015

Helikoptereltern



 …. Sind die Steigerung von Curling-Eltern


Eltern, die ihren Kindern alle Unwegsamkeiten aus dem Weg räumen wollen oder sie von allen "bösen" Einflüssen abschirmen wollen.

Natürlich wollen Eltern ihre Kinder schützen und unterstützen, damit sie einen guten Weg machen. Doch die hier so bezeichneten übertreiben es mit ihrer Elternfürsorge in den Augen von Pädagogen und Psychologen. Das machen sie nicht aus böser Absicht, sondern aus ihrem besten Wissen und Vorstellungen des Elternseins heraus. - Woher kommen diese Erziehungsvorstellungen? Darüber kann man mutmaßen, wissen tun es die wenigsten Eltern selbst. Vielleicht ist ihnen ihr Kind der kostbarste Schatz, den sie (be-)hüten "müssen"? Perfekt in den Lifestyle und die Karriere geplant, wohlüberlegt eingepasst in ein ideales Familienbild, das es nach außen zu verteidigen gilt, sobald jemand daran rütteln möchte? Ein so idealisiertes Kind MUSS perfekt sein! Da kann es keine Flecken geben!
Es könnte auch sein, dass eigene unerfüllte Wünsche oder eigene Schwierigkeiten im Lebensweg die Motivation sind, es dem Nachwuchs einfacher zu machen?
Sicherlich trägt auch die gesellschaftliche Unsicherheit - einerseits geht es uns so gut wie noch nie (finanziell, wirtschaftlich, keine unmittelbar bedrohenden Kriege), andererseits wissen wir, wie fragil diese Konstellation ist - dazu bei, alles selbst mach- und erreichbare so zu beeinflussen, dass es Sicherheit gibt. Das sind nur zwei von vielen denkbaren Motivationsmustern. Grundsätzlich "unterstelle" ich allen Eltern die besten Absichten!

Eltern, die ihre Kinder überall hin "tragen" (also mit dem Auto z. B. ins Klassenzimmer fahren), ihnen jegliche Konfliktkommunikation abnehmen, alle Stolpersteinchen aus dem Weg räumen, engen ihre Entwicklung eher ein, als dass sie sie fördern.

Der Mensch lernt aus Erfahrungen, die er macht. Übervorsorgliche und überbehütende Eltern verhindern solche Erfahrungen. Manche Erfahrungen sind auch schmerzhaft, an Leib oder Seele. Das kennen wir Erwachsene - und wenn wir ehrlich sind hätten wir sicher darauf verzichten können, doch wir haben daraus auch unsere Lehren gezogen. An mancher außerfamiliären Reibung haben wir erfahren dürfen, wie die "Welt da draußen" funktioniert. Wir durften "Gut" und "Böse" neu kategorisieren und lernen damit umzugehen. Vielleicht haben solche Eltern selbst die Erfahrung gemacht, dass das Leben "schwierig" ist und man in unserer Gesellschaft die Ellebogen ausfahren muss.

Alles, was wir selbst lernen, uns selbst beibringen, eben durch Erfahrungen, erfüllt uns mit Stolz, baut unseren Selbstwert auf und ermutigt uns für die nächsten Schritte. Niederlagen stärken uns ebenso, denn auch "verlieren" und "misslingen" will gelernt sein.
Die Erfahrung, selbst etwas bewegen zu können stützt unser Selbst-bewusst-sein. Selbstwirksamkeit heißt hier der Fachbegriff und ist eine starke Säule der Resilienz, die eben so wichtig ist, in schwierigen Lebenssituationen weder den Mut, noch den Überblick zu verlieren.

So tun Eltern gut daran, ihr Kind auf seinem Entwicklungsweg zu begleiten und ihm auch Schwierigkeiten zuzutrauen. Wichtig ist es, im Hintergrund zu sein und das Kind mit Rat und evtl. auch Tat zu unterstützen, wenn es diese anfordert. Kleinere Kinder fordern diese Hilfe nicht mit Worten an, sondern wir müssen es an seinem Verhalten lesen. Mit größeren Kindern ist es gut, im Gespräch zu sein und ihm über sein Handeln und Leben von Zeit zu Zeit Rückmeldung zu geben. Kinder, die sich sicher in der Begleitung ihrer Eltern fühlen, bestehen die Herausforderungen des Lebens leichter als andere und holen sich bei Bedarf auch die Unterstützung.

Für genau die passende Unterstützung, das Loslassen, das Beschützen gibt es kein Patentrezept. Das ist auch bei Geschwistern ganz unterschiedlich. Hier gilt es, der Intuition zu vertrauen, das Kind zu beobachten und zu überlegen, was es braucht. Bei Fehlern auch einmal zuzusehen und sich dann beim zweiten, dritten oder auch fünften Anlauf mit dem Kind über den Erfolg zu freuen! - Gerne vergleiche ich dieses Abwägen mit dem Lauflernprozess.

Dieses Zugestehen, dass Kinder ihre Herausforderungen gut selbst meistern und die Zurückhaltung bei (sozialen) Konflikten erleichtert übrigens auch die pädagogische Arbeit und Autorität von Erziehern und Lehrern in KiTas und Schulen. Im Gespräch zu bleiben über die Entwicklung ist wichtig, damit im "Notfall" unterstützt werden kann. Doch dieses Im-Gespräch-bleiben ist ein wertschätzender Austausch von Beobachtungen und Einschätzungen ohne Schuldzuweisungen und Kritisierungen. In Schule oder KiTa ist das Kind in ganz unterschiedlichen Situationen und sozialen Konstellationen und wird sich unterschiedlich verhalten. Auch nehmen verschiedene Erwachsene das Kind aus anderen Blickwinkeln wahr.

Hubschrauber und Curling-Besen also gut verwahrt in der Garage zu lassen, hilft dem Kind mehr, sich in dieser komplexen Welt zurechtzufinden, als es vor allem bewahren zu wollen.

Mehr zu dieser achtsamen Begleitung gibt es in meinem ebook, das im September im Gehzeiten-Verlag erschienen ist.
                                                                                                                  

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